Mensch macht Natur, Wien 2015

Dank an Paul Petritsch, Gabriela Mackert, Katrin Hornek und das gesamte Team an der Universität für Angewandte Kunst in Wien für zwei inspirierende Tagungstage am 12./13.Mai 2015 zu „Mensch macht Natur“…oder „Mensch, Macht und Natur“???…Es war toll, mit Gloria Meynen, Heather Davis und Matt Edgeworth die Bühne zu teilen und das Anthropozän zu diskutieren. Und dann noch ein gemeinsamer Besuch beim Denkmal von Eduard Suess, dem frühen Anthropozän-Geologen und Erfinder der „Biosphären“-Idee – sein Kopf von Flechten bewachsen. Große Klasse. Gerne wieder.

Vienna Group May 2015 Angewandte Eduard Suess

Das Thema meines 45minütigen Beitrags: „Seit Eugene Stoermer und Paul Crutzen im Jahr 2002 vorschlugen die gegenwärtige geologische Epoche umzubenennen, um die vom Menschen verursachten Veränderungen der Erde zu reflektieren, hat sich der Begriff des Anthropozäns rasant verbreitet. NaturwissenschaftlerInnen, GeisteswissenschaftlerInnen, KünstlerInnen, PolitikerInnen, UmweltschützerInnen und viele andere versuchen seitdem die Bedeutsamkeit dieses Begriffs zu fassen und dessen Auswirkungen zu verstehen. Was ist das Anthropozän? Die Summe aller Umweltprobleme? Oder eher Ausdruck einer neuen Phase menschlicher und planetarischer Evolution? Wann begann es? Bereits 1610 als der Massenmord amerikanischer Ureinwohner durch europäische Siedler zu einem derartigen Neubewuchs der Wälder führte, dass der weltweite C02-Ausstoß sank? Oder viel später als 1945 atomare Explosionen und die Ausbreitung von Kunststoffen unvergängliche “Zukunftsfossilien” erzeugten? Was bedeutet es im Anthropozän zu leben? Wird man über diese neue Epoche als Legitimationsgrund für menschliches Herrschafts- und Anspruchs-denken verfügen oder wird sie ein Aufruf zu einem kulturellen und zivilisatorischen Übergang zu einer ökologisch verträglichen Lebensform? Ist das Anthropozän an sich ein anthropozentrisches Konzept oder eröffnet es der Zivilisation einen reibungsloseren Umgang mit den Lebensformen der Erde? Der Begriff des Anthropozäns folgt keiner fest fixierten Denkart, sondern steht als Reflexionsanregung angesichts schwindender metaphysischer und physischer Grenzen zwischen Kultur und Natur. Es bietet sich demnach als ein noch entstehendes und vielseitig verwendbares Begriffswerkzeug zur Erforschung der Verwandlung der Natur an. Anders gesagt, wie es Wissenschaftshistoriker Jürgen Renn formuliert, es ist ein “Prozess, der über sich selbst reflektiert.”

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Vienna Roundtable May 2015

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