Wenn Mensch, Natur und
Technik verschmelzen

ANalogBeitragsbildjpgMein neues Buch beschreibt einen Verschmelzungsprozess. Mensch, Natur, Technologie – drei Sphären, die in der westlichen Denktradition fein säuberlich voneinander ferngehalten wurden – verbinden sich im 21. Jahrhundert zu neuen Phänomenen, die bereits heute nicht nur das menschliche Leben, sondern alles Leben auf der Erde verändern.
Die Frage, wie sich jeder einzelne und wie sich ganze Gesellschaften künftig untereinander und mit der Welt verbinden werden, steht dabei im Zentrum. Schließlich sind wir, entgegen allem, was die klassische Ökonomie in ihrer ganzen Primitivität dazu zu sagen hat, keine isolierten Einzelwesen, sondern von Natur aus verbundene, soziale, vielschichtige Lebewesen. Der frühere Evolutionsbiologe Richard Dawkins mag sich in den Dienst des Neoliberalismus stellen, wenn er den Egoismus und die Optimierung des eigenen Vorteils als Naturgesetze preist. Als Sprecher der Naturwissenschaft taugt er damit nicht, denn hier treten, von den Genen über die Stoffströme, Mikroben, Tiere und Pflanzen bis hin zum Menschen, immer stärker soziale Phänomene in den Mittelpunkt des Interesses. Das Internet ist nur die neueste technologische Ausformung einer seit Milliarden Jahren wachsenden „Komplexifizierung“ der Materie.
Verbundensein wird damit zum Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts. Aber mit wem? Wie? Durch was? Dies habe ich versucht auszuleuchten. Die Gefahr ist real, dass sich zentralisierte Machtgebilde mit Hilfe eines kalten Systems künstlicher Intelligenz der gewachsenen, vielfältigen Verbindungen bemächtigen und den Erdbewohnern eine globale, repressive Monokultur aufzwingen, ohne Rücksicht auf katastrophale Folgen, ob nun für die Kultur oder das Weltklima. Doch zugleich besteht die in der Evolutionsgeschichte bisher einmalige Chance, das wachsende Netz der analogen und digitalen Verbindungen in den Dienst von demokratischen, humanistischen und ökologischen Idealen zu stellen…In „Die analoge Revolution“ stelle ich in vier fiktiven Szenarien und ausführlichen Analysen einen negativen und einen positiven Entwicklungspfad gegenüber. Noch haben wir die Wahl, noch leben wir nicht in einer repressiven technischen „Singularität“.

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