Ein ganz normaler Buchladen, aber…

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„Utermarck Schreibkultur“ ist ein ganz normaler Buchladen in Schmargendorf in Berlin, naja, es ist sogar mehr als das, es ist auch ein Schreibwarenladen und ein Geschenkeladen. Das Interieur ist aus den 1960er Jahren, wahrscheinlich wird es bald retro-chic. Das Obergeschoss mit den Büchern sieht aus, als hätte es ein japanischer Architekt mit Bonsaifaible gestaltet, die Bücher werden auf kleinstem Raum präsentiert, es gibt keine weitläufige „Erlebnislandschaft“ wie in den Filialen der großen Buchketten. Und doch ist „Utermarck Schreibkultur“ für mich ein besonderer Buchladen. Denn sein Besitzer, Martin Hermann, ist ein alter Freund von mir aus meiner bayerischen Heimat, den es auch schon länger nach Berlin verschlagen hat und nun, wie es der Zufall wollte, ganz in die Nähe meines eigenen Viertels. Mit Martin habe mich in den 1980er Jahren mit einem Thema beschäftigt, von dem nun auch mein neues Buch „Die analoge Revolution“ handelt. „Chancen und Risiken der Neuen Medien“, so hieß, so weit wir uns erinnern können, ein Seminar, das wir für den Bund der katholischen Jugend Deutschland (BdkJ) in unserem Landkreis veranstalteten. Es ging schon damals um Überwachungsmöglichkeiten und Datenkontrolle. Ich war zu dieser Zeit schon Ataribesitzer und begeisterter Nutzer des Textverarbeitungsprogramms „Signum“. Wenn Politiker heute immer noch von „neuen Medien“ sprechen, muss ich schmunzeln, weil das schon vor dreißig Jahren so hieß. Andererseits stimmt der Begriff irgendwie, denn so vieles bleibt neu, und letztlich lag Angela Merkel richtig, als sie letztes Jahr das Internet als „Neuland“ beschrieb. Martin kennt dieses Neuland gut, er hat sich nach unserer Jugendzeit eher den Chancen der neuen Medien gewidmet und hat viele Jahre in einem großen IT-Konzern Karriere gemacht. Dann entdeckte er sein Herz für den guten alten Buchhandel, für Füller und schöne Notizbücher. So ist er Eigentümer von „Utermarck Schreibkultur“ geworden, und wer „Die analoge Revolution“ nicht bei Amazon bestellen und nebenher seinen Algorithmuszwilling füttern will, der kann das Buch hier bei Martin ganz persönlich ordern und bekommt es überall in Deutschland versandkostenfrei zugeschickt. Das kann helfen, dass es in Schmargendorf weiter ein Schaufenster mit Büchern gibt, dass Bücher Teil unseres analogen Alltags bleiben.

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